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Adipositas und Diabetes der Mutter führen zu mehr psychiatrischen Krankheiten

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp/Maria Fett

Wenn adipöse Frauen mit Diabetes schwanger werden, trägt ihr Nachwuchs ein höheres Risiko für psychiatrische Krankheiten. Wenn adipöse Frauen mit Diabetes schwanger werden, trägt ihr Nachwuchs ein höheres Risiko für psychiatrische Krankheiten. © Mauricio – stock.adobe.com
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Kinder von stark übergewichtigen Müttern mit Diabetes oder Gestationsdiabetes tragen ein erhöhtes Risiko, eine psychiatrische Störung attestiert zu bekommen. Liegt der BMI der Frauen hingegen im Normbereich, scheint selbst ein Diabetes unproblematisch.

Der Verdacht, dass die Extrapfunde von Müttern bzw. deren Diabeteserkrankung mit einer ADHS oder Störungen aus dem Autismusspektrum beim Kind zusammenhängen, erhärtet sich seit Jahren. Als Auslöser vermuten Forscher die gestörten metabolischen und endokrinen Systeme, oxidativen Stress sowie die Insulinresistenz, der die Feten im Mutterleib ausgesetzt sind. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass den Nachwuchs vermutlich noch viel mehr erwartet.

Häufiger Angst-, Schlaf- und Essstörungen diagnostiziert

Anhand der Daten aus finnischen Geburtsregistern haben Kollegen um Linghua Kong vom Stockholmer Karolinska Institutet erstmals Assoziationen zu weiteren psychiatrischen Diagnosen entdeckt, u.a. Angst-, Ess-, Schlaf- und Persönlichkeitsstörungen. In die Kohortenstudie bezogen die Forscher 647 099 Geburten zwischen 2004 und 2014 ein. Insgesamt rund 5 % der Kinder wurde in diesem Zeitraum eine milde neurologische Entwicklungs- bzw. eine psychische Störung attestiert. Die Ältesten erhielten ihre Diagnose mit elf Jahren.

Im Vergleich zum Nachwuchs normalgewichtiger Frauen ohne Diabetes hatten Kinder von Müttern mit einem BMI ≥ 35 kg/m2 plus nicht-insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes eine fast doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, eine der ICD-10-F-Diagnosen zu erhalten (Hazard Ratio, HR, 1,97). Neben ADHS und Autismus fanden sich für Verhaltens- sowie affektive Störungen die größten Effekte.

Kein erhöhtes Risiko bei normalem BMI

Noch höher lag das Risiko der Sprösslinge von schwer übergewichtigen Frauen mit vorbestehendem, insulinbehandeltem Diabetes (HR 2,71). Etwas sicherer dagegen waren Kinder stark adipöser Mütter, die an einem Gestationsdiabetes litten (HR 1,61). Wies die Mutter zwar einen Diabetes auf, brachte jedoch ein normales Gewicht auf die Waage, zeigte sich in der Analyse keine signifikante Assoziation für eine psychiatrische Störung.

Über die pathophysiologischen Mechanismen können die Autoren bisher nur mutmaßen. Klären sollen dies nun weitere Studien.

Quelle: Kong L et al. JAMA Network Open 2020; 3: e1920787; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2019.20787


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