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Allergenspezifische Immuntherapie trotz Coronapandemie fortsetzen

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

 Insgesamt waren die Erfahrungen mit der SCIT und der SLIT auch in Zeiten von Corona gut. Insgesamt waren die Erfahrungen mit der SCIT und der SLIT auch in Zeiten von Corona gut. © iStock/bojanstory
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Eine allergenspezifische Immuntherapie gehört zu den Behandlungen, auf die in Coronazeiten besonders kritisch geschaut wird. Eine Umfrage unter Allergologen spiegelt das aktuelle Vorgehen. Erfreulich: Auffällige Vorkommnisse gab es bislang nicht.

Die Allergen-Immuntherapie (AIT) induziert eine Toleranz des Immunsystems gegen krankmachende Allergene. Sie wird vor allem bei Atemwegsallergien gegen Pollen und Milben eingesetzt. Bereits kurz nach Ausbruch der Coronapandemie im vergangenen Jahr hat ein Expertengremium unter Federführung der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) ein auf Erfahrungen basierendes Statement zum AIT-Handling während der Pandemie formuliert.

Bei Verdacht auf eine Infektion sollte man die AIT pausieren

Danach kann bei Patienten ohne COVID-Verdacht eine laufende sublinguale bzw. subkutane AIT (SLIT, SCIT) weiter fortgesetzt werden. Dringend empfohlen wird die Fortsetzung einer SCIT bei Insektengiftallergikern. Patienten unter der ambulant durchgeführten SLIT kann man ggf. per Telemedizin unterstützen. Bei der subkutanen Immuntherapie ist es ggf. möglich, die Arztbesuche um einige Wochen zu verschieben. Bei Verdacht auf COVID-19 ist die Immuntherapie wie bei anderen Infektionskrankheiten zu unterbrechen und nach Ausheilung alsbald wieder aufzunehmen, so die Empfehlungen der EAACI.

Inzwischen, ein knappes Jahr nach der Publikation dieser expertenbasierten Empfehlungen, liegen erste praktische Erfahrungen zur allergenspezifischen Immuntherapie in Pandemiezeiten vor. Insgesamt 417 allergologisch tätige Ärzte aus ganz Europa hatten dazu anonymisiert einen standardisierten Fragebogen der EAACI zu ihrer täglichen AIT-Routine beantwortet. Der Bogen bestand aus 27 Fragen.

Ein Bereich umfasste den Beginn einer AIT bei Allergiepatienten ohne SARS-CoV-2-Infektion oder Infektionsverdacht – ein Themenkomplex, zu dem sich die EAACI bislang nicht expliziert geäußert hatte. Vor allem im Hinblick auf die SCIT gab es bei den Praktikern offensichtlich Bedenken: Insgesamt 60 % der Ärzte berichteten, keine Subkutan-AIT während des Lockdowns begonnen zu haben. 16 % hatten in ihren Planungen von der subkutanen auf die sublinguale Immuntherapie umgestellt. Lediglich 10 % begannen eine SCIT wie in Nicht-Pandemiezeiten. Die einzige Ausnahme bildete die SCIT für Insektengiftallergiker. Diese wurde von einem Viertel der Befragten wie unter normalen Bedingungen aufgenommen.

Unverträglichkeitsreaktionen traten nur sehr selten auf

Etwas entspannter sahen die Kollegen die sublinguale Immuntherapie. Sie wurde von immerhin 48 % der Kollegen ohne weitere Einschränkungen initiiert.

Eine AIT-Erhaltungstherapie führten die meisten Allergologen (75 %) wie empfohlen fort – das betraf vor allem die Insektengift-AIT sowie die über die sublinguale Applikationsroute (74 % und 89 %). Und 16 Befragte hatten sogar Patienten mit einem positiven Coronatest bzw. leichten COVID-19-Symptomen behandelt. Insgesamt waren die Erfahrungen mit der SCIT und der SLIT auch in Zeiten von Corona gut. Unverträglichkeitsreaktionen während der Initialphase der subkutanen Allergen-Immuntherapie wurden lediglich von einem der teilnehmenden Ärzte berichtet. Ebenfalls nur einer der Befragten hatte unerwünschte Ereignisse während der Erhaltungsphase einer subkutanen AIT beobachtet.

Quelle: Pfaar O et al. Allergy 2021; DOI: 10.1111/all.14793

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