Erhöhtes Diabetesrisiko durch Bauchspeicheldrüsenkrebs und chronische Pankreatitis?

Autor: Friederike Klein

Ein Pankreaskarzinom kann zu Diabetes führen. © iStock/OGphoto

Viele Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse gehen mit einem erhöhten Diabetesrisiko einher. Bei einer Neuerkrankung könnte daher nicht nur ein Typ 1 oder Typ 2, sondern auch ein pankreopriver Diabetes vorliegen. Ein Überblick.

Ein pankreatogener Diabetes, auch als pankreopriver Diabetes bezeichnet, ist gar nicht so selten, betonte Professor Dr. Jörg ­Bojunga, Medizinische Klinik I des Universitätsklinikums Frankfurt. In Kohortenstudien entwickelten bis zu 80 % der Patienten mit chronischer Pankreatitis und 50 % der Patienten mit einem duktalen Pankreasadenokarzinom einen Diabetes.

Es wird geschätzt, dass etwa 0,5 bis 1 % aller Diabetespatienten weltweit einen pankreopriven Diabetes mellitus haben.1 In einer Kohortenstudie lag der Anteil sogar bei über 9 %.2

Falsche Typ-2-Diagnosen

Wahrscheinlich erhalten einige Patienten mit pankreatogenem Diabetes fälschlich die Diagnose eines Typ-2-Diabetes, glaubt Prof. Bojunga. Die fäkale Elastase-1-Konzentration (FEC) als Marker für eine exokrine pankreatische Insuffizienz ist in Studien bei 12 bis 20 % der Diabetes­patienten ohne Insulintherapie auf einen Wert von unter 100 µg erniedrigt. Bei insulinbedürftigen Patienten mit Typ-1-Diabetes fanden sich derartige FEC-Werte bei 26 bis 44 %.3

Die häufigste Ursache für einen pankreopriven Diabetes ist chronische Pankreatitis. Etwa vier von fünf Fällen gehen auf diese Ätiologie zurück.2 Mit längerem Verlauf steigt die Diabetesrate weiter an. Ein Pankreaskarzinom ist mit etwa 8 % aller Fälle die zweithäufigste Ursache, gefolgt von hereditärer Hämochromatose (7 %). Seltener tritt ein pankreatogener Diabetes bei zystischer Fibrose auf (4 %), etwa 2 % der Fälle sind Folge einer Pankreasresektion.2

Die Assoziation von Diabetes und Pankreaskarzinom ist laut Referent wechselseitig: Einerseits erhöht Diabetes das Risiko für ein Pankreaskarzinom, wobei das Risiko mit Dauer der Erkrankung weiter steigt. Auf der anderen Seite weisen 70 % der Patienten bei Diagnose eines Pankreaskarzinoms eine gestörte Glukosetoleranz oder einen manifesten Diabetes mellitus auf.

Diabetes kann sich nach Krebstherapie zurückbilden

Die Resektion des Karzinoms führt in etwa 60 % der Fälle zur Rückbildung des Diabetes. Ein plötzlich neu auftretender Diabetes kann ein Warnzeichen für ein Pankreaskarzinom sein, betonte Prof. Bojunga. Ein routinemäßiges Screening bei Diabetes-Neuerkrankung wird aber nicht empfohlen.

Quellen:
1 Xiao AY et al. Lancet Gastroenterol Hepatol 2016; 1: 45-55; DOI: 10.1016/S2468-1253(16)30004-8
2Hart PA et al. Lancet Gastroenterol Hepatol 2016; 1: 226-237; DOI: 10.1016/S2468-1253(16)30106-6
3 Diabetes Care 2008; 31 (Suppl. 2): S165–S169; DOI: 10.2337/dc08-s244
Diabetes Kongress 2019