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Angst vor Corona könnte Spermien und fetale Gehirnentwicklung beeinflussen

Autor: Maria Fett

Sperma in der Krise: Die Angst vor COVID-19 hat womöglich Folgen für den ungeborenen Nachwuchs. Sperma in der Krise: Die Angst vor COVID-19 hat womöglich Folgen für den ungeborenen Nachwuchs. © iStock/Christoph Burgstedt
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Ängste, wie sie zurzeit durch die Coronavirus-Pandemie ausgelöst werden, können nicht nur die psychische Gesundheit eines Menschen beeinträchtigen. Auch das Sperma des Mannes bleibt nicht verschont, mit negativen Folgen für den späteren Nachwuchs.

Schlimm genug, dass Mann in Zeiten von SARS-CoV-2 um die eigene Gesundheit oder den Job bangen muss. Die Sorgen rund um COVID-19 reichen vermutlich noch tiefer. US-Forscher haben skizziert, wie anhaltender Stress Spermien verändern und die fetale Gehirnentwicklung beeinflussen könnte.

Der Mechanismus dahinter basiert auf den extrazellulären Vesikeln, winzige membrangebundene Partikel, die Lipide, Proteine und RNA zwischen den Zellen transportieren und am Reifungsprozess der Spermien beteiligt sind. Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler die Wirkung in Mäusen untersucht. Wurden Eizellen mit den Spermien von Mäusen befruchtet, die man zuvor chronischem Stress ausgesetzt hatte, verlief die Gehirnentwicklung des Nachwuchses anders als bei den entspannten Kontrollen. Zudem reagierten sie als adulte Tiere selbst mit einer veränderten Stressreaktion.

Eine Analyse des Spermas ergab Abweichungen bezüglich der MicroRNA-Expression. Untersuchte man extrazelluläre Vesikel, die zuvor künstlich mit Kortikosteron gestresst worden waren, enthielten die Partikel weniger Proteine, waren kleiner und unterschieden sich im MicroRNA-Inhalt.

MicroRNA der Samen ändert sich bei gestressten Studenten

Ähnliches fanden die Forscher bei Collegestudenten: Spermien wiesen dann eine besonders veränderte MikroRNA-Zusammensetzung auf, wenn Probanden angaben, sich für längere Zeit belastet gefühlt zu haben. Bei ungestressten Studenten fanden sich diese Unterschiede nicht.

Interessanterweise zeigten sich die Veränderungen etwa einen Monat nach der Stressphase, wenn das Leben der Teilnehmer wieder normal verlief. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Körper versucht, sich an die chronische Belastung anzupassen und deshalb einen „Post-Stress-Status“ aufrechterhält. 

Quelle: Chan JC et al. Nat Commun 2020; 11: 1499; DOI: 10.1038/s41467-020-15305-w

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