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Bluttransfusionen während Darmkrebs-Operation beeinträchtigen das Überleben

Autor: Josef Gulden

Eine Bluttransfusion erschwert die Bekämpfung zirkulierender Tumorzellen. Eine Bluttransfusion erschwert die Bekämpfung zirkulierender Tumorzellen. © iStock/eldemir
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Sind Bluttransfusionen während einer operativen Entfernung kolorektaler Karzinome notwendig, kann es zu negativen Folgen für das Überleben kommen. Eine mögliche Erklärung dafür wurde nun vorgestellt.

Ein kleiner Teil der Patienten, die sich einer potenziell kurativen Operation eines Kolorektalkarzinoms (CRC) unterziehen, benötigt intraoperative Bluttransfusionen. Diese erhöhen das Risiko für postoperative Infektionen und für eine Anastomosen-Insuffizienz. Darüber hinaus geht mit Transfusionen eine erhöhte Rezidivrate einher. Ursache könnte eine beeinträchtigte adaptive Immunantwort durch das biologische Fremdmaterial sein, das in den allogenen Blutspenden enthalten ist.

Mehr als dreimal so viele postoperative Komplikationen

Vermutlich wird dadurch nicht nur die Abwehr von Krankheitserregern, sondern auch die Bekämpfung zirkulierender oder mikrometastatischer Tumorzellen behindert. Dass sich das auf den postoperativen Verlauf und sogar auf die Prognose der Patienten auswirkt, wird vermutet, ist aber bisher nicht belegt.

Chirurgen an der Universität Glasgow forsteten daher die Akten von insgesamt 544 Patienten durch, die sich in ihrer Abteilung zwischen 2012 und 2017 einer potenziell kurativen, elektiven Operation eines kolorektalen Karzinoms unterzogen hatten. Besonders beachteten sie dabei die Transfusions-Anamnese sowie Daten zu postoperativen Entzündungsreaktionen und Komplikationen und zum Überleben.

Das Ergebnis: 86 der 544 Patienten (16 %) hatten perioperativ mindestens eine Bluttransfusion benötigt. In einer Rohanalyse der Daten war das an Tag 3 postoperativ mit signifikant höheren Werten des C-reaktiven Proteins (CRP; 143 mg/l vs. 120 mg/l; p = 0,004) sowie mit signifikant niedrigeren Albumin-Werten (24 g/l vs. 27 g/l; p < 0,001) assoziiert. Darüber hinaus gab es in der transfundierten Subgruppe mehr als dreimal so viele postoperative Komplikationen (Odds Ratio 3,28; 95%-KI 2,03–5,29) und deutlich beeinträchtigte Überlebenschancen (Hazard Ratio 3,18; 95%-KI 2,08–4,84).

Unterschiede bleiben bestehen

Um den retrospektiven, nicht-randomisierten Charakter der Studie zumindest teilweise zu kompensieren, führten die Autoren außerdem ein Propensity Score Matching durch: Ein statistischer Kunstgriff, bei dem die 58 Teilnehmer der transfundierten Subgruppe einer Kohorte von 58 Kontrollpatienten gegenübergestellt wurden, mit der sie hinsichtlich aller verfügbaren Variablen bestmöglich gematcht wurden. Dabei berücksichtigte man z.B. das Vorliegen einer Anämie vor der OP.

Auch in dieser Situation war der postoperative CRP-Wert im transfundierten Kollektiv signifikant erhöht (130 mg/l vs. 113 mg/l; p = 0,046) und das Albumin erniedrigt (24 g/l vs. 26 g/l; p < 0,001). Weiterhin traten postoperative Komplikationen vermehrt auf (OR 2,91; 95%-KI 1,36–6,20). Zudem waren die Überlebenswahrscheinlichkeiten reduziert (HR 2,38; 95%-KI 0,99–5,73), wobei für diesen Parameter die statistische Signifikanz nicht mehr ganz erreicht wurde.

Einfluss etwa durch Größe des Tumors ist möglich

Bluttransfusionen während der OP eines CRC gehen also mit postoperativen Entzündungsreaktionen, Komplikationen und einer Beeinträchtigung der Überlebensprognose einher, so die Wissenschaftler. Nicht vollständig ausschließen lassen sich allerdings mögliche Einflüsse z.B. der Tumorgröße: Fortgeschrittenere und größere Tumoren könnten die OP verkomplizieren und Transfusionen eher erforderlich machen. Zudem könnte sich das Metastasierungsrisiko und damit die Mortalität erhöhen.

Quelle: McSorley T et al. Ann Surg Oncol 2019; DOI 10.1245/s10434-019-07984-7


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