Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS)

Definition

Schlafbezogene Atemstörungen (SBAS) umfassen eine heterogene Gruppe verschiedener pathophysiologischer Mechanismen. Es kommt dabei definitionsgemäß zu einem einen Stillstand der Atmung während des Schlafs für mindestens zehn Sekunden (Apnoe) oder zu einer signifikanten Verringerung des Atemflusses um ≥ 30% mit begleitender Sauerstoffentsättigung oder Weckreaktionen (Hypopnoe).

Grundsätzlich werden zwei Formen unterschieden:

SBAS mit Obstruktion der oberen Atemwege

  • Obstruktives (schweres) Schnarchen (ohne Apnoe)
  • Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)
  • Upper Airway Resistance Syndrom (UARS) mit Verengung der oberen Atemwege im Tiefschlaf ohne Apnoen mit massiver Erhöhung des Atemwegswiderstandes bei Einatmung

SBAS ohne Obstruktion der oberen Atemwege (zentrales Schlafapnoe-Syndrom, Hypoventilation)

 

OSAS: Ein OSAS lässt sich bei etwa 4% der Männer und 2% der Frauen über 40 Jahren nachweisen.

Es kommt im Schlaf (meist im REM-Schlaf) zu einem Kollaps der Schlundmuskulatur und dadurch zu einer Obstruktion der oberen Atemwege mit Reduktion oder Ausfall des Atemflusses (Hypopnoe oder Apnoe). Der Körper reagiert mit einer Weckreaktion (Arousal), wodurch die Muskelspannung wieder zunimmt und die Atmung wieder einsetzt. Durch die ständigen Weckreaktionen wird der Schlaf zerstückelt und der Anteil von Tief- und REM-Schlaf geht zurück. Daraus resultiert eine vermehrte Tagesmüdigkeit und eine verminderte Leistungsfähigkeit am Tag.

Risikofaktoren:

  • Adipositas (etwa 80% der Betroffenen sind adipös)
  • vergrößerte Tonsillen, Nasenmuscheln oder Zäpfchen
  • verbogene Nasenscheidewand (Septumdeviation)
  • Makroglossie
  • Retrognathie

Zentrales Schlaf-Apnoesyndrom:

  • Bei Herzinsuffizienz (ca. 50% der Patienten ab NYHA-Stadium II)
  • Unter Opiattherapie oder bei Schädigung des Atemzentrums
  • Sekundäre alveoläre Hypoventilation bei chronischen Lungenerkrankungen, neuromuskulären und skelettalen Erkrankungen oder ausgeprägter Adipositas (Adipositas-assoziierte Hypoventilation)

ICD10-Code: G47, R06

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Symptomatik

Leitsymptome:

  • Lautes und unregelmäßiges Schnarchen mit Atemaussetzern in der Fremdanamnese  (fehlt bei zentralem SAS)
  • Nicht erholsamer Schlaf mit gesteigerter Tagesschläfrigkeit mit Einschlafneigung bei monotonen Tätigkeiten wie z.B. Autofahren (bei zentralem SAS oft geringer ausgeprägt)

Weitere Symptome (seltener):

  • Konzentration- und Gedächtnisstörungen
  • depressive Verstimmung
  • morgendliche Kopfschmerzen und Mundtrockenheit
  • erektile Dysfunktion

Komplikationen:

  • Hypoxie-induzierte nächtliche Herzrhythmusstörungen
  • Gehäuftes Auftreten/Verschlechterung einer arteriellen Hypertonie
  • Verschlechterung einer Herzinsuffizienz
  • Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall (Mortalitätserhöhung)
  • Erhöhtes Unfallrisiko durch Sekundenschlaf

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Untersuchung

Einen krankheitstypischen Befund bei der allgemeinen körperlichen Untersuchung gibt es nicht.

Bei einer HNO-ärztlichen Untersuchung können mögliche anatomische Atemhindernisse nachgewiesen werden.

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Labor

Laborparameter tragen nicht zur Abklärung schlafbezogener Atemstörungen bei.

Die Diagnose beruht auf der (Fremd)-Anamnese, dem HNO-ärztlichen Befund und der Schlafuntersuchung.

Bei der Anamnese werden erfasst:

  • Schnarchen und Atemaussetzer im Schlaf
  • Tagesmüdigkeit (z.B. Epworth Sleepiness Scale ESS)
  • Leistungsfähigkeit am Tag

Schlafuntersuchung

Erfasst werden Faktoren wie Atemfluss, Schnarchen, Pulsfrequenz, Pulsoxymetrie, Thoraxbewegungen, Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), EEG, EMG, EOG.

Die Untersuchung kann ambulant (Polygraphie ohne EEG, EMG, EOG) oder im Schlaflabor als umfangreichere Polysomnographie durchgeführt werden.

Differenzialdiagnostik

SBAS mit Obstruktion der oberen Atemwege:

  • Obstruktives Schnarchen (50% der Männer)
  • UARS
  • Adipositas-assoziierte Hypoventilation

Tagesschläfrigkeit ohne Obstruktion der oberen Atemwege:

  • Periodische Beinbewegungen, Restless Legs Syndrom (RLS)
  • Insomnien mit Schlafdefiziten
  • Psychiatrische und internistische Erkrankungen (z.B. Anämie, Hypothyreose) 
  • Narkolepsie und primäre Hypersomie
Pharmakotherapie und nichtinvasive Therapie

Eine medikamentöse Therapie existiert nicht.

Nicht-medikamentöse Allgemeinmaßnahmen sind:

  • Gewichtsabnahme bei Adipositas
  • Schlafhygiene
  • Vermeidung der Rückenlage im Schlaf (evtl. durch Nutzung einer Rückenlage-Verhinderungsweste)
  • Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Apnoe-verstärkende Medikamente (z.B. Sedativa, Schlafmittel)

Ggf. sollten HNO-ärztlich festgestellte Atemhindernisse beseitigt werden (z.B. Tonisllenhyptrophie, Nasenseptumdeviation, Polypen etc).

Therapie der Wahl bei symptomatischen OSAS-Patienten ist ansonsten die kontinuierliche nächtliche Überdruckbehandlung mittels Nasen- oder Vollgesichtsmaske (nCPAP für nasal continous positive airway pressure).

Alternative bei Nicht-Akzeptanz und leichteren Formen sind Manidbular-Advancement-Devices: Durch den Unterkiefer vorverlagernde Protsuionsschienen, wird ein Zurücksinken des Unterkiefers verhindert.

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Invasive und Interventionelle Therapie
  • Upper Airway Stimulation: Zungenschrittmacher mit einseitiger Stimulation des N. hypoglossus (Reserveoption in Zentren)
  • Im Versuchstadium: Orokavitäres Unterdrucksystem, Zwerchfellstimulation

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Prävention

Als Präventionsmaßnahmen könnten die Vermeidung von Übergewicht sowie die Beseitigung von Atemhindernissen im HNO-Trakt gelten.

Leitlinien

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM):
S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen

ArGe Schlafmedizin der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Obstruktive Schlafapnoe bei Erwachsenen: HNO-spezifische Therapie.

Herold G et al.: Innere Medizin 2017. Eigenverlag, Köln 2017.

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Patienteninformationen

Informationen von Arzt zu Patient: Schlaf-Apnoe – Atem aussetzer im Schlaf

In verschiedenen Sprachen:

Patienteninformation zur Schlafapnoe: Deutsch
Patienteninformation zur Schlafapnoe: Russisch

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