Bei welchen Patienten die Prostata bestrahlen?

Autor: Dr. Katharina Arnheim

Strahlentherapie – ja oder nein? © iStock.com/maclifethai

Ob Patienten mit neu diagnostiziertem metastasiertem Prostatakarzinom zusätzlich zur Androgendeprivationstherapie eine Bestrahlung erhalten sollten, wurde bisher noch diskutiert. Dass einige Männer durch die Kombination deutlich länger überleben, wurde nun nachgewiesen.

Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom erhalten standardmäßig eine systemische Androgendeprivationstherapie (ADT). Tierexperimentelle Daten weisen jedoch darauf hin, dass die zusätzliche Bestrahlung des Primärtumors die Progression verzögern und so das Überleben verbessern kann, berichtete Professor Dr. Chris Parker, The Royal Marsden NHS Foundation Trust, Sutton. In der STAMPEDE-Studie, die unterschiedliche Therapieoptionen prüft, wurde dieser Ansatz nun klinisch untersucht.

Zwischen Januar 2013 und September 2016 wurden insgesamt 2061 median 68 Jahre alte Patienten mit neu diagnostiziertem metastasiertem Prostatakrebs rekrutiert. Randomisiert wurden sie dem Standardarm mit alleiniger ADT, ggf. plus Docetaxel, oder dem experimentellen Arm zugeteilt, in dem zusätzlich die Prostata bestrahlt wurde. Die Strahlentherapie beinhaltete entweder 36 Gy in sechs Fraktionen über sechs Wochen oder 55 Gy in 20 Fraktionen über vier Wochen. Gut 40 % der Patienten besaßen eine niedrige Tumorlast; für diese Subgruppe wurde ein besonders großer Nutzen der zusätzlichen Radiatio angenommen, so der Referent.

Protokoll der Radiotherapie ist nicht entscheidend

Die Subgruppenanalyse zu den beiden Radiotherapie-Protokollen ergab keinen signifikanten Unterschied; beide Schemata erwiesen sich als ähnlich effektiv. Die zusätzliche Bestrahlung wurde gut vertragen: Die Zeit bis zum ersten Toxizitätsereignis (Grad 3–5) unterschied sich in beiden Studienarmen kaum (HR 1,01; p = 0,941).

Die Drei-Jahres-Rate für das Überleben ohne Therapieversagen lag im Standardarm bei 23 %, konnte dagegen im experimentellen Arm hoch signifikant auf 32 % gesteigert werden (HR 0,76; p = 0,00000036). Beim primären Endpunkt Gesamtüberleben (OS) zeigte sich dagegen mit einer Reduktion des Mortalitätsrisikos um relativ 8 % nur ein leichter Trend zugunsten der zusätzlichen Strahlentherapie (Drei-Jahres-OS-Rate 62 vs. 65 %; HR 0,92; p = 0,266).

Einen signifikanten Nutzen von der Radiatio hatte jedoch – wie angenommen – die präspezifizierte Subgruppe von Patienten mit geringer Tumorlast: Sie profitierten von der zusätzlichen Lokalmaßnahme mit einer Reduktion des Mortalitätsrisikos um fast ein Drittel (HR 0,68; 95%-KI 0,52–0,90; p = 0,007); die Drei-Jahres-Rate des OS stieg von 73 auf 81 %. Patienten mit hoher Tumorlast profitierten hingegen nicht von der Bestrahlung (OS 54 vs. 53 %; HR 1,07; 95%-KI 0,90–1,28; p = 0,420). Auch das Überleben ohne Therapieversagen wurde bei Patienten mit geringer Metastasenlast signifikant verbessert: Die Drei-Jahres-Rate lag im Standardarm bei nur 33 %, bei zusätzlicher Radiatio hingegen bei 50 % (HR 0,59). Wiederum profitierte die Subgruppe mit hoher Tumorlast nicht.

Auf Basis dieser STAMPEDE-Ergebnisse sollte die Bestrahlung der Prostata zusätzlich zur Systemtherapie künftig Standard bei neu diagnostizierten metastasierten Prostatakrebspatienten mit geringer Tumorlast und bei Patienten mit Befall der Beckenlymphknoten (N1, M0) sein, resümierte Prof. Parker.

Quelle: Parker CC et al. ESMO 2018; Abstract LBA5_PR


Wichtig für die Entscheidungsfindung scheint die Tumorlast des Patienten zu sein. © iStock.com/maclifethai