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Hypertonie: Optimale Kost enthält viele Ballaststoffe, viel Kalium und wenig Natrium

Autor: Dr. Andrea Wülker

Ein erhöhtes genetisches Risiko kann durch einen gesunden Lebensstil teilweise wettgemacht werden. Ein erhöhtes genetisches Risiko kann durch einen gesunden Lebensstil teilweise wettgemacht werden. © iStock/Dreamer Company
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Blutdruck zu hoch? Da lässt sich mit der richtigen Ernährung gegensteuern. Die besten Erfolge erzielt man, wenn es gelingt, Ernährungsgewohnheiten langfristig zu ändern. Sparsam salzen reicht dabei nicht.

In nicht-industrialisierten, isolierten Gesellschaften, die sich natürlich ernähren, leidet nur 1 % der Menschen an Bluthochdruck, während in Deutschland rund jeder dritte Erwachsene von einer Hypertonie betroffen ist. Ein Grund dafür dürften die Ernährungsgewohnheiten sein. In Industrieländern zunehmend beliebt sind verarbeitete Fertigprodukte mit hohem Natrium-, aber niedrigem Kaliumgehalt, schreiben Dr. Victoria McParland­ und Dr. Nicola Wilck vom Experimental and Clinical Research Center, eine Kooperation der Charité – Universitätsmedizin Berlin mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin.

Mit jedem Kilo weniger kann der RR um 1 mmHg fallen

An der Entstehung einer Hypertonie sind sowohl genetische Faktoren als auch der individuelle Lebensstil beteiligt. Die gute Nachricht: Ein erhöhtes genetisches Risiko kann durch einen gesunden Lebensstil teilweise wettgemacht werden. Hochdruckpatienten, die übergewichtig oder adipös sind, sollten durch eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung ein gesundes Körpergewicht anstreben (Ziel-BMI 20–25 kg/m2). Mit jedem Kilo weniger kann der systolische Blutdruck um etwa 1 mmHg fallen.

Die wichtigen Vier derblutdrucksenkenden Ernährung

  • Natriumzufuhr reduzieren auf < 2–2,3 g Na/d bzw. < 5–6 g NaCl/d
  • Kaliumzufuhr ggf. optimieren auf 3,5–4 g/d
  • Ballaststoffzufuhr erhöhen auf > 30 g/d
  • gesundes Gewicht anstreben: Ziel-BMI 20–25 kg/m2

Hypertoniepatienten können einer Studie zufolge ihren systolischen Blutdruck um11,5mmHg senken, wenn sie es schaffen, ihren Salzkonsum einzuschränken und die Prinzipien der DASH-Diät einzuhalten.

Ein besonderes Augenmerk sollte dem Kochsalz- bzw. Natriumkonsum gelten. Denn die Natriumzufuhr steht mit einem erhöhten Blutdruck und einer erhöhten kardiovaskulären Ereignisrate sowie Mortalität in Verbindung, schreiben die Berliner Ärzte. Dies gilt insbesondere für alte Menschen und Patienten mit Hypertonie oder chronischer Niereninsuffizienz.

Fachgesellschaften empfehlen eine maximale Natriumaufnahme von 2–2,4 g/d (bzw. eine maximale Kochsalzzufuhr von 5–6 g/d). Das ist gar nicht so leicht einzuhalten, wenn man den hohen Salzgehalt von vielen Fertigprodukten, aber auch von Brot bedenkt. Als Faustregel kann gelten: Brot nur in moderaten Mengen essen, Fertignahrungsmittel am besten gar nicht. Wer mit dem Salz spart, kann den Blutdruck um einige mmHg senken. Eine Metaanalyse ergab, dass durchschnittlich 4,4 g weniger Kochsalz pro Tag den systolischen Blutdruck bei Hyper­tonikern um 5,4 mmHg senkt. Berücksich­tigt man den weitverbreiteten hohen Konsum, stellt die reduzierte Salzmenge nicht nur einen wichtigen Ansatz zur Behandlung des Bluthochdrucks dar, sondern auch zur Prävention.

Nicht mehr als 3 g Kalium pro Tag für Nierenschwache

Neben dem Natrium ist Kalium ein weiteres Elektrolyt, das an der Blutdruckregulation beteiligt ist. Allerdings mit dem umgekehrten Effekt: Die niedrige Kaliumzufuhr geht mit hohem Blutdruck einher, während eine kaliumreiche Ernährung den Blutdruck senkt. Eine Analyse ergab, dass eine höhere Kaliumzufuhr von 3,5–4,7 g/d den systolischen Blutdruck um 7,16 mmHg senken kann.

Kaliumreiche Diäten sollen ihre günstigen Effekte über eine Vaso­dilatation, verbesserten Urinfluss, verminderte Reninfreisetzung und eine negative Natriumbilanz entfalten. Allerdings scheint die Durchschnittsbevölkerung in Deutschland nicht unbedingt unterversorgt zu sein, Schätzungen zufolge liegt die Zufuhr bei 3,9 g/d (Frauen) bzw. 4,3 g/d (Männer). Vielmehr liegt das Problem im schlechten Verhältnis zwischen Kalium und Natrium (< 0,4). Vorsicht ist aber bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion geboten: Ihre Kaliumzufuhr sollte 3 g/d nicht überschreiten, um keine Hyperkaliämie zu riskieren.

Konkret werden!

Erhalten Patienten nur unpräzise Ernährungsempfehlungen, ist es wahrscheinlicher, dass sie diese nur mangelhaft umsetzen. Geraten wird daher, im Rahmen einer strukturierten Ernährungsberatung gezielte und evidenzbasierte Empfehlungen auszusprechen, die professionell begleitet werden.

Ballaststoffe werden teilweise von Darmbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren (short-chain fatty acids, SCFA) verstoffwechselt, die sich günstig auf die Darmbarriere auswirken und verschiedene Immunzellen modulieren. Ballaststoffreiche Ernährungsformen und SCFA können nicht nur den Blutdruck senken, sondern wirken auch antiinflammatorisch auf das Immunsystem und schützen vor hypertensiven Endorganschäden. Da 68 % der Männer und 75 % der Frauen in Deutschland mit ihrer Ballaststoff­zufuhr unter dem empfohlenen Referenzwert von mindestens 30 g/d liegen, kann eine entsprechen­de Umstellung der Ernährung einen positiven Beitrag leisten.

Statt sich auf einzelne Nährstoffe zu konzentrieren, ist es allerdings effektiver, ganze Ernährungsmuster dauerhaft umzustellen, denn die günstigen Effekte der verschiedenen Komponenten addieren sich. Eine Kostform, die auch in Hypertonie-Leitlinien empfohlen wird, ist die traditionelle mediterrane Ernährung, bei der viele pflanzliche Lebensmittel, Vollkornprodukte und Olivenöl auf den Tisch kommen, Fisch, Meeresfrüchte, Milchprodukte, Geflügel und Eier in Maßen genossen werden und rotes Fleisch kaum eine Rolle spielt.

Auch die DASH-Diät, die auf der Studie Dietary Approach to Stop Hypertension (DASH) basiert, beinhaltet viele gesunde Nährstoffe. Zudem gibt es strukturierte, evidenzbasierte Ernährungsleitfäden die auch Rezeptvorschläge enthalten. Die DASH-Diät wird den ernährungsphysiologischen Ansprüchen gerecht und ist gleichzeitig so konzipiert, dass sie lebenslang eingehalten werden kann, betonen die Berliner Kollegen. Außerdem besteht die Möglichkeit – hinsichtlich des Blutdrucks – zwischen einer fettarmen und einer modifizierten fettreicheren Variante zu wechseln, ohne an Effektivität einzubüßen.

Quelle: McParland V, Wilck N. Internist 2021; 62: 269-276; DOI: 10.1007/s00108-021-00988-0

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