Antihormontherapie bei Prostatakrebs erhöht das Demenzrisiko

Autor: Michael Brendler

Mit dem Krebs verschwinden durch Androgenblocker auch die Erinnerungen. © iStock/AlexLMX

Die Androgendeprivationstherapie soll sich negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit der Patienten auswirken. Das kann die Entstehung von Demenzen begünstigen.

Wie der Zusammenhang zustande kommt, könne ihre Studie nicht klären, schreiben Dr. Ravishankar Jayadevappa von der University of Pennsylvania in Philadelphia und seine Ko-Autoren. Allerdings gehen sie eher von einer modifizierenden (verstärkenden) Wirkung als von einem de-novo-Effekt aus. Aber ist es die Zunahme von Alzheimer-Risikofaktoren wie Diabetes, Depression oder kardiovaskulären Problemen, die mit dem Androgenentzug oft einhergeht? Oder schaden zu niedrige Testosteronlevel neuronalem Wachstum und Nervenzellen?

Das Ergebnis der Auswertung der Patientendaten von 154 089 Männern, die zwischen 1996 und 2003 die Diagnose Prostatakrebs erhalten hatten, ist dagegen eindeutig. Eine bei 62 330 Patienten durchgeführte Androgendeprivationstherapie ließ über den durchschnittlichen Beob­achtungszeitraum von 8,3 Jahren das Alzheimer- und Demenz-Risiko jeweils um 19 % nach oben schnellen. Das galt bereits für ein bis vier Dosen. Wurden acht und mehr Dosen gegeben, betrug der Anstieg sogar 24 bzw. 21 %. Es sei also auch eine Dose-Response-Beziehung gegeben, berichten die Wissenschaftler. Hochgerechnet entspricht dies einem zusätzlichen Demenzfall unter zehn behandelten Patienten.

Neue Androgenblocker werden immer früher eingesetzt

Inzwischen ist nicht nur eine duale Androgenblockade möglich, geben die Autoren zu bedenken, die neuen Medikamente der 2. Generation werden auch zunehmend früher eingesetzt. Gerade bei Patienten mit einer längeren Lebenserwartung solle der behandelnde Arzt Vor- und Nachteile der Therapie deshalb sehr gründlich gegeneinander abwägen.

Quelle: Jayadevappa R et al. JAMA Netw Open 2019; 2: e196562