Ausdauersport hält Immunzellen länger jung als Krafttraining

Autor: Michael Brendler

Joggen dient dem Anti-Aging. © iStock.com/PeopleImages

Sport fördert die Gesundheit, aber wie lässt sich der Effekt am besten erreichen? Eine entscheidende Rolle könnte dem Ausdauertraining zukommen. Denn das wirkt offenbar dem molekularen Alterungsprozess der Blutzellen entgegen.

Sehr detailliert haben Dr. Christian­ M. Werner, Klinik III für Innere Medizin der Universität des Saarlandes, und seine Kollegen die Wirkung des Faktors Bewegung studiert: 266 Menschen ließen sie im Dienst der Wissenschaft sechs Monate lang Sport treiben, dreimal 45 min pro Woche. Keiner von ihnen hatte sich in dem vorherigen Jahr durch große Bewegungsbegeisterung hervorgetan. 15 von ihnen hatten an einer Voruntersuchung teilgenommen, die die akuten Auswirkungen von Ausdauer- und Krafttraining untersuchte. Insgesamt wurden vier Studiengruppen untersucht:

  • moderates Lauftraining
  • intensives Lauf-Intervalltraining
  • Geräte-Krafttraining
  • Kontrollgruppe

124 Probanden nahmen bis zum Ende der Studie teil.

Allen Beteiligten im Alter von 30–60 Jahren wurde zu Beginn der Studie und nach sechs Monaten Blut abgenommen. Die Teilnehmer des 45-min-Akuttests hatten zusätzliche Bluttests vor und nach dem Training. Die Wissenschaftler hatten es auf die Lymphozyten-DNA abgesehen, genauer gesagt auf die Länge der repetitiven Chromosomenenden (Telomere). Diese genetischen Schutzkappen werden mit dem Alter zunehmend abgebaut. Das Enzym Telomerase wirkt dem entgegen, daher war auch dessen Aktivität für Dr. Werner und Kollegen wichtig.

Schon das Ausdauertrainig im Akuttest erhöhte die Telomeraseaktivität, beim Krafttraining war der Effekt nicht sichtbar. In der Langzeituntersuchung war mit dem Ausdauer- und dem Intervalltraining eine Verdopplung der Enzymaktivität verbunden, verglichen mit der Kontroll- und Kraftgruppe. Auch die Telomere blieben dadurch in den ersten beiden Gruppen signifikant länger. Das Ausdauertraining scheint zu potenten „Anti-Aging-Effekten“ zu führen, schreiben die Autoren – zumindest in den untersuchten zirkulierenden Blutzellen. Sie gehen aber von ähnlichen Effekten zum Beispiel auf die Zellen der Blutgefäß-Wände und des Myo­kards aus, was den positiven kardiovaskulären Effekt von sportlichen Aktivitäten erklären könnte.

Ihre Theorie: Die Enzymaktivität verändere sich durch den Stickstoffmonoxid-Anstieg in den Blutgefäßen, ausgelöst durch das Ausdauertraining. Die Autoren raten, den Marker bei Interventionen zur Bestimmung des biologischen Alters zu nutzen.

Quelle: Werner CM et al. Eur Heart J 2018; online first